Ananas aus Tansania



Botanische Hintergründe der Ananas

Die stachelige Frucht mit dem botanischen Namen Ananas comosus oder sativus gehört zur Familie der Bromeliengewächse. Ihren Namen verdankt sie dem Begriff “Nana”, der aus der im subtropischen Südamerika beheimateten Guarani-Sprache stammt und Frucht bedeutet. Christopher Kolumbus hat die Pflanze, die ursprünglich aus Südamerika stammt, im 15. Jahrhundert nach Europa gebracht. Angebaut wird sie bis heute jedoch nur in tropischen Gebieten. Die Haupterntezeiten sind im Sommer und Winter, wenn sich das grünliche Fruchtfleisch gelb färbt und an Süße gewinnt, wobei sich Ananas-Früchte über das gesamte Jahr ausbilden und ernten lassen.
Dieser essbare Teil der Pflanze ist ein sogenannter Beerenfruchtverband. Das heißt: Aus den rund 100 Blüten entstehen Beerenfrüchte, die sich dann zu einer Sammelfrucht vereinen – der Ananasfrucht, wie wir sie kennen. Die Vermehrung erfolgt über Setzlinge aus der Ananaspflanze selbst, die innerhalb eines Jahres zu einer rund 50 cm hohen Pflanze gedeihen. Diese kann bis zu drei Mal in Folge geerntet werden.

Fakten zum Ananas-Markt

Trotz des geeigneten Klimas spielt Tansania als Anbauland auf dem globalen Ananas-Markt kaum eine Rolle. Zu Beginn des 20. Jhd. war Hawaii noch die führende Exporteurin für Ananas, die damals vor allem in Dosen landeten. Den ersten Marketingkampagnen aus dieser Zeit verdanken Toast und Pizza Hawaii im deutschen Sprachraum noch heute ihren Namen. Heute zählen Costa Rica, die Philippinen und Brasilien zu den weltweit größten Exporteuren.
In diesen Ländern verdrängen Großkonzerne mit ihren Monokulturen zunehmend die kleinbäuerliche Landwirtschaft, sodass kaum Wertschöpfung bei den Farmer*innen bleibt. Darunter leiden nicht nur die Biodiversität und die Wasserversorgung. Vor allem aus Costa Rica wurden immer wieder Fälle von schlechten Arbeitsbedingungen und hohem Pestizideinsatz publik – inklusive der Folgen für die Menschen vor Ort, wie Wasserverschmutzung und Gesundheitsprobleme.

Vom Acker bis in den Pfandeimer

Im Gegensatz dazu bauen für uns rund 300 Kleinbauernfamilien die Ananas als Mischkultur zusammen mit Bohnen, Kochbananen, Kaffee und Maniok auf kleinen Feldern auf ihren eigenen Grundstücken an. Die Früchte ernten sie selbst. Im Anschluss werden die Ananas vor Ort per Hand geschält und geschnitten. Kipepeo hat sich hier bewusst gegen Maschinen entschieden, da so mehr Menschen am Herstellungsprozess teilhaben können und somit mehr Wertschöpfung am Anbauort stattfindet.

Anschließend werden die Fruchtstücke in einem schonenden Verfahren maschinell bei höchstens 41°C getrocknet. Damit entsprechen sie dem Rohkost-Standard. Die Maschinen werden fast ausschließlich mit Solarenergie und Wasserkraft betrieben. Weil wir maximale Wertschöpfung im Anbauland ermöglichen wollen, gehen die Ananas erst jetzt auf den Weg zu uns.

Was bedeutet Fairtrade für die Menschen in Tansania?

Tansania ist ein vielseitiges Land, das vor ebenso vielseitigen Herausforderungen steht: Die Kindersterblichkeit ist hoch, die Lebenserwartung niedrig, weder asphaltierte Straßen noch eine stabile Energieversorgung sind flächendeckend vorhanden. Da die Industrialisierung wenig vorangeschritten ist, versorgen sich die meisten Menschen in Subsistenzwirtschaft selbst. Diese Landwirtschaft kommt zwar ohne Düngemittel und Pestizide aus, für eine zertifizierte Bio-Landwirtschaft fehlt jedoch häufig das Know-How. So begann das Projekt CHEMA (Community Habitat Environmental Management) 1997 damit, tansanische Bäuer*innen in der Bio-Landwirtschaft auszubilden. In den ersten vier Jahren absolvierten bereits rund 1000 Teilnehmende das Ausbildungsprogramm.

Was nun fehlte, war eine konstante Abnahme der Ware. Das deutsche Handelsunternehmen Kipepeo sah den Bedarf und kaufte zunächst Ananas ab. Um stabile Preise zu gewährleisten, organisierte Kipepeo die Bio- und Fairtrade-Zertifizierung. Dies ermöglichte einen Fairtrade-Vertragsanbau und garantierte damit überdurchschnittliche Abnahmepreise. Daneben baute Kipepeo eine Produktion auf, in der die Ananas bis heute verarbeitet werden, und übernimmt den Abtransport der Früchte. Heute produzieren die Familien rund 15 Tonnen getrocknete Ananas pro Jahr für Kipepeo.

Die Vorteile für die Farmer*innen auf einen Blick:

Abnahmegarantie der Ware
Schulung und Weiterbildung durch CHEMA
Höhere Ernten und weniger Hungerperioden
Finanzielle Sicherheit durch hohe Prämien
Maximale Wertschöpfung im Anbauland
"We started with 1.5 acres of pineapple fields and now there are 2 acres. So far, I have bought three indigenous cows and 10 piglets, and built a new permanent house. Four of my six children are attending school and have not missed a single term. They also met their health and clothing needs."

Mable Nsereko

Mehr Spannendes rund um die Ananas

Die Ananas sieht nicht nur gekrönt aus, sie etablierte sich im 17. Jahrhundert auch als ein aristokratisches Statussymbol: Wer etwas auf sich hielt, züchtete sich im – bis auf die Sommermonate – konstant beheizten Gewächshaus seine eigenen Ananas. Ein Luxus, der einer Ananas damals den stolzen Preis einer Kutsche verlieh. Der Wert könnte der Grund dafür sein, dass die reifen Früchte schließlich selten gegessen wurden, sondern bis zu ihrem Verderben als Deko-Objekt zur Schau gestellt wurden. Das Ende der europäischen Ananaszucht läutete die Dampfschifffahrt ein, da die Schiffe die Frucht nun schnell genug nach Europa transportieren konnten, bevor sie verdarb.

Doch die Ananas kann mehr als gut aussehen. Zum einen wird aus den Fasern ihrer Blätter auf den Philippinen heute Stoff gemacht. Zum anderen sind Ananas für ein süßes Statussymbol überraschend gesund: So enthalten sie einen hohen Anteil des Enzyms Bromelain, das die Verdauung und Durchblutung anregt, entwässert und entzündungshemmend wirkt.