Paranüsse aus Bolivien



Botanische Hintergründe der Paranuss

Der Paranussbaum erreicht mit bis zu 60 Metern beachtliche Höhen und kommt ausschließlich im subtropischen Amazonasgebiet vor. In jeder Nussfrucht, die optisch an eine Kokosnuss erinnert, verstecken sich bis zu 20 dreieckige Nüsse, die von einer harten Schale umgeben sind. Einmal jährlich in der Regenzeit zwischen Dezember und März fallen die Nussfrüchte zu Boden und können gesammelt werden. Die Prachtbiene ist als einzige Tierart stark und groß genug, um sich ihren Weg durch die schweren Blütenblätter zu bahnen und die darunterliegenden Blütenpollen zu befruchten.
Die Weiterverbreitung der Nüsse übernimmt eine im Regenwald beheimatete Eichhörnchenart. Aufgrund dieser Abhängigkeit von bestimmten Tierarten ist der Paranussbaum nur schwer kultivierbar. Ein weiteres Hindernis besteht darin, dass der Baum sehr langsam wächst: Bis zur ersten Blüte dauert es rund 12 Jahre, bis zur ersten Nussfrucht ganze 18 Jahre.

Es wird deutlich: Nur in einem intakten Regenwald-Ökosystem können Paranussbäume gedeihen. Wenn wir also weiter Paranüsse essen wollen, muss neben dem Nussgenuss der Schutz des Regenwaldes an erster Stelle stehen.

Fakten zum Paranuss-Markt

Zum Teil wird der Preis, den die Sammler*innen für ihre Nüsse erhalten, von den Weltmarktpreisen für andere Nüsse beeinflusst. Sehr stark ist das Einkommen der Castanieros, wie die Sammler*innen im Spanischen heißen, aber auch von der Witterung abhängig. So erschweren die heftigen Regenschauer in der Erntezeit das Arbeiten im Wald. Zudem können sie den Abtransport zur Weiterverarbeitung beeinträchtigen, da die unbefestigten Straßen häufig so schlammig sind, dass mit einem LKW oder anderen größeren Fahrzeugen kein Durchkommen mehr ist. Warten ist jedoch keine Option. Denn gelangen die Nüsse nicht schnell genug zur Trocknung, bilden sich Schimmelsporen in den Nusskernen, die nach wenigen Tagen ins Innere des Kerns zur eigentlichen Paranuss vordringen und sie ungenießbar machen.
Da die Nüsse erst am Umschlagplatz gewogen und ausbezahlt werden, können für die Sammler*innen durch Starkregen schmerzhafte Ernteausfälle entstehen. Daher ist es für die Sammler*innen essenziell, sich in einer Kooperative wie der von Hylea, von der wir unsere Nüsse beziehen, zusammenzuschließen und gemeinsam zu wirtschaften. So lassen sich globale oder umweltbedingte Schwankungen viel leichter abfedern. Zudem garantiert Hylea feste Abnahmepreise, die weit über dem Durchschnittspreis liegen.

Vom Baum bis in den Pfandeimer

Da Paranussbäume wild im Regenwald wachsen, ist das Sammeln der Nussfrüchte sehr aufwendig. So können die Castanieros nur mit Hilfe einer Machete zu den Bäumen gelangen, um die Nüsse aufzusammeln. Nach dem Sammeln lösen sie die Nusskerne aus der Nussfrucht und bringen sie zu einer Sammelstation. Von da aus geht es weiter zum Wiegen und Trocknen. In einer Fabrik werden die Nüsse nun von Hand geknackt und in einem Ofen auf 80 °C erhitzt, um Pilze und Bakterien abzutöten sowie den Feuchtigkeitsgehalt der Nuss zu senken.
Dadurch sind sie weniger anfällig für Schimmel, entsprechen aber nicht dem Rohkoststandard. Übrigens: In einer Ernteperiode sammelt eine*r Sammler*in ca. fünf Tonnen Nüsse auf einer Fläche von 35-50 Hektar, auf der bis zu 100 Bäume stehen. Im Jahr 2019 haben wir von fairfood Freiburg sieben Tonnen Paranüsse importiert.

Wildsammlung im Einklang mit der Natur

Das bolivianische Amazonasgebiet, in dem unsere Paranüsse wachsen, liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Brasilien. Aus den Regionen um die Dörfer Manuripi und Fortaleza, wo auch die Paranuss-Fabrik beheimatet ist, stammen unsere Nüsse. In diesen Regenwaldschutzgebieten darf keine Landwirtschaft im größeren Stil betrieben werden. Abgesehen vom Sammeln der Paranüsse gibt es für die ortsansässige indigene Bevölkerung kaum alternative Einkommensquellen. Unsere Paranüsse sind mit dem Fair-Wild-Zertifikat ausgezeichnet, das eine nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen und Früchten sicherstellt. Der Fair-Wild-Standard gewährleistet unter anderem: Unsere Paranüsse sind mit dem Fair-Wild-Zertifikat ausgezeichnet, das eine nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen und Früchten sicherstellt. Der Fair-Wild-Standard gewährleistet unter anderem:

Kein Einsatz von Chemikalien und chemischen Düngemitteln in natürlichen Lebensräumen
Keine Plantagenpflanzungen
Schulung der Sammler*innen
Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung, ihrer Sammelpraxen und Bedürfnisse
Keine illegalen Entnahmen
Kontrollen gegen Raubbau
Faire Arbeitsbedingungen
Verbot von Kinderarbeit

Ähnliche Grundsätze legt das EU-Bio-Siegel fest, nach dem die Paranüsse ebenfalls zertifiziert sind. Die Einhaltung dieser beiden Richtlinien wird in regelmäßigen Abständen von einer unabhängigen Zertifizierungsagentur überprüft.

Was bedeutet Fairtrade für die Sammler*innen?

Bolivien zählt mit einem Pro-Kopf-BIP von 3566 USD im Jahr 2018 zu den wirtschaftlich schwächer entwickelten Ländern. 45% der Bevölkerung leben unter der nationalen Armutsgrenze, 8% von weniger als 1,25 USD am Tag. In den Regionen, wo unsere Paranüsse wachsen, leben viele, meist indigene Menschen ausschließlich von der Paranussernte und -verarbeitung. Manche ziehen sogar extra mit ihren Familien für die Ernte in die Region.

Wir beziehen unsere Nüsse von Hylea, einer Firma, die schon in vierter Generation auf Paranüsse und Regenwaldprodukte spezialisiert ist – auch wenn Hylea im Vergleich zu mittelgroßen Kooperativen in Burkina Faso oder Tunesien eher zu den großen Händlern im Paranussgeschäft zählt. Und das nicht nur wegen ihrer Fairtrade-Zertifizierung, sondern auch, weil sie aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung einen wichtigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Beitrag in den Paranuss-Regionen leistet:
So garantiert Hylea den Sammler*innen überdurchschnittlich hohe und feste Abnahmepreise für die Nüsse. Die Sammler*innen sind über einen Verband, die Asociación de Castaneros Fortaleza (ACF) organisiert, der mit Hylea in Verhandlungen tritt, wenn es um Preise und die Abnahmemengen geht. Zudem zahlt Hylea eine Prämie für jedes gesammelte Kilo an eine Stiftung. Diese investiert 50% davon in soziale Projekte für die Menschen vor Ort, wie den Bau neuer Unterkünfte, medizinische Versorgung und Bildungsangebote.
Die anderen 50% der Prämie fließen in Schutzmaßnahmen für den Regenwald im Schutzgebiet um die Manuripi-Region, die in Kooperation mit dem WWF umgesetzt werden. Dazu gehören: Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, Training der Ranger*innen, die Beschaffung von Ausrüstung sowie die nachhaltige Erschließung weiterer Paranussressourcen.

Zusätzlich bemüht sich Hylea, weitere Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, da die Paranusserntezeit nur wenige Monate dauert. So hat Hylea den Bau von Teakplantagen sowie die Pflanzung von wildwachsenden Kakaobäumen und Pfeffer angeregt, sodass viele Menschen auch abseits der Paranussernte Beschäftigung finden.

Über ein Women Empowerment-Projekt fördert Hylea auch die Geschlechtergerechtigkeit. So verändert sich seit einigen Jahren die Geschlechterverteilung unter den Arbeitenden: Während das Sammeln bis vor wenigen Jahren reine Männersache war, sammeln nun immer mehr Frauen. Das Nussknacken dagegen war fast ausschließlich Frauensache. Heute sind in den Hylea-Fabriken zunehmend mehr Männer anzutreffen. Da viele Sammler das verdiente Geld nicht mit ihren Familien teilten, sondern für den eigenen Alkoholkonsum ausgaben, zahlt Hylea deren Lohn nun an die Frauen aus. Schließlich erwirtschaften die Männer mit der Paranussernte oft das gesamte Jahresbudget der Familie.

Mehr Spannendes rund um die Paranuss

Paranüsse sind wahre Nährstoffbomben: Sie sind reich an Vitaminen, Mineralien, ungesättigten Fettsäuren und Proteinen. Bekannt sind sie für ihren besonders hohen Gehalt an dem Spurenelement Selen. Dieses bindet Schwermetalle, hat eine antioxidative Wirkung und ist für die Aktivierung von Schilddrüsenhormonen zuständig. Schon zwei Paranüsse am Tag reichen aus, um den Bedarf daran zu decken.

Unsere Paranüsse findest du in folgenden Produkten:
Paranüsse-nautr_500g

Paranüsse Natur

500g_Paranüsse

Paranüsse Gesalzen

Freiburg-Nuss-Mix-Paranüsse

Freiburger Nussmix

ParanussNougat

Paranuss Nougat-Creme

Capama_Paranüsse

CaPaMa Nussmus